Pigmente wecken Lust

Farben können sehr viel Freude und Lust bereiten. Zum einen beim Auswählen, Mischen und Gestalten und natürlich beim Betrachten. Mit aller Selbstverständlichkeit sprechen wir von Farben, über Farbigkeit und Buntes, ebenso über Farbtöne. Dieses Wort verrät schon, Farben tönen. Ja, sie erzeugen Töne. Sie reizen auf und provozieren, sie wecken unser Interesse. Sie stiften Gefühle von Zufriedenheit und Harmonie. Oder sie stoßen ab.

Ob bei der Auswahl eines Lippenstiftes, dem Kauf eines Pullovers, der Anschaffung eines Autos, der Renovierung einer Fassade oder der Zusammenstellung eines Blumenstraußes – immer hat das Thema Farbe eine große Bedeutung.

Wer auf Farben verzichtet, erscheint in den Augen Anderer als graue Maus, begegnet uns als fade Gestalt. Dessen Alltag wirkt eintönig. Gut gewählte Farben (und jetzt spreche ich von Naturfarben bzw. von Pigmenten aus Erde und Mineralien) hingegen bestärken uns im Ausdruck unserer Persönlichkeit. Sie erwecken Interesse bei anderen oder laden zur Hingabe ein. Sie klingen nach, wie eine gute Musik.

Voller Kraft und Leidenschaft schwingt das Rot. Feurig anziehend, Lust erregend und Gefahr ankündigend kommt es auf uns zu. Hingegen führt Blau in die Weite, wirkt sachlich und ernst. Es befreit aus dem Alltäglichen und hat wie das feierliche und geheimnisvolle Blauviolett spirituelle Fähigkeiten wie kaum eine andere Farbe. Niemand sollte sich deshalb wundern, wenn ihm Blautöne in sakralen Gebäuden oder Fenstern begegnen.

Gut gelaunt, anregend und heiter wirkt das Gelb, sonnig regt es den Intellekt und den Austausch an.

Ach ja, grün, das oft falsch verstandene Grün. Es wirkt so ausgleichend und neutral, daß es in manchem Umfeld auch müde macht, gar depressiv wirkt. Etwas gelber hingegen stimmt es auch heiter und freundlich.

Klares und Reinheit sendet das Weiß. Mitunter kann es uns Blenden. Im Schwarz berühren uns Sterben und Tod, aber auch Würde und Ernst. All diese Eindrücke lösen Gefühle aus, alle haben ihre Berechtigung. So wundert es wohl keinen, daß die menschliche Geschichte auch eine Geschichte der Farben ist.

Farbpigmente etwas sortiert und bewertet

Seit alters her werden Farben in der natürlichen Umgebung gesucht, um den eigenen Gefühlen oder wichtigen Ereignissen Ausdruck zu verleihen. Färbematerialien aus Pflanzen und Mineralien sind schon ewig bekannt. Erst seit etwa 100 Jahren sind wir von synthetischen Farbstoffen aus der Kohle- bzw. Ölindustrie umgeben. Die schier unendliche Zahl von Farben, eine jederzeit genaue Reproduzierbarkeit machen diese Farben attraktiv. Was industriellem Selbstverständnis zur Vermassung wichtig erscheint, ist jedoch für unsere Sinne eher abschreckend. Schrille und zu bunte Töne stoßen ab, reizen eher auf, wirken oberflächlich und machen dumpf. Sie haben oft keinen guten Nachklang.

Sprechen wir also über den Teil der Farben, der menschliche Emotionen weckt, solange wir denken und sprechen können; nämlich die mineralischen und Erdpigmente und ebenso die Pflanzenfarben. Sie sind es, die uns bewegen, uns zum Ausdruck verhelfen und praktischen Nutzen beeinhalten (z. B. Schutz vor UV-Licht auf Hölzern).

Ein Kapitel für sich ist die faszinierende Welt der Pflanzenfarben. Die Geschichte der Textilfärberei hätte ohne sie nicht stattgefunden. Doch ihre geringe Lichtechtheit und ihre Unbeständigkeit in saurer oder basischer Umgebung machen sie für Anstrichtechniken und Einfärbung von Baustoffen uninteressant. Eine Ausnahme stellen die Wandlasuren in Innenräumen dar. Mit entsprechenden Bindemitteln entstehen wunderbare Gestaltungen. So lichtbeständig wie Erd- und Mineralfarben sind sie jedoch nicht. Da die Herstellung von Pflanzenfarben äußerst aufwendig vonstatten geht, sind sie auch noch entsprechend teuer, was manch Interessierten dann doch abschreckt.

Von verschiedenen Richtungen kann man sich einer Einteilung von Erd- und Mineralfarben nähern. Sie lassen sich in bunte und unbunte unterscheiden, man kann nach Handelsformen bzw. Handelsnamen und Beschaffenheit, aber auch der Verwendung oder nach chemischen Bestandteilen sortieren.

Die Einteilung in Farbstoffe und sogenannte Körperfarben gibt es auch. Die ersten lassen sich in Wasser lösen, die zweiten nicht, sondern nur darin verteilen. Zu den Körperfarben gehören unsere mineralischen Pigmente und die Erdpigmente.

In der Tabelle finden Sie von all den genannten Gesichtspunkten etwas wieder.

anorganische Farben organische Farben
natürliche Erd- und Mineralpigmente künstliche Mineralpigmente natürliche Farben künstliche Farben
Abbau von Tonen, Erden, Erzen und Mineralien technisch gewonnene Erze und Metallverbindungen Pflanzenfarben tierische Farben chemische Gewinnung aus Erdöl, früher aus Kohlenteer
Beispiele
Terra di Siena
Roter und gelber
Ocker
Umbren
Grünerden
Eisenglimmer
Kreide
Kalk
Kaolin
Schwerspat
Eisenoxyde
Titanoxyde
Chromoxyde
Ultramarienfarben
Mennige
Zinnober
Spinelle
Bronzen
Alkanna
Blauholz
Blattgrün
Safran
Indigo
Waid
Krapp
Karmin
Purpur
tausende Farbstoffe und Töne synthetischer Herkunft

Unser Angebot hier im Geschäft besteht aus natürlichen Erdfarben und künstlichen Mineralfarben (nicht zu verwechseln mit synthetischen Farben). Ich habe sie der Einfachheit halber in Erd- und Mineralpigmente eingeteilt. Erstere werden sowohl im Tagebau oder Untertage gefördert, gesiebt, gereinigt, gemischt, gebrannt und gemahlen. Zweitere werden industriell technisch gewonnen, gesiebt, gereinigt, gemischt, gebrannt und gemahlen.

All diese sind nicht nur physiologisch unbedenklich, soll heißen ungiftig, sondern entsprechen unserem sinnlichen Vermögen, Farben nachhaltig zu spüren und Tiefe im Material wahrzunehmen. Desweiteren besitzen sie eine hohe Lichtechtheit und sind bis auf wenige Ausnahmen kalk- und säurebeständig. Natürliche Lagerstätten finden wir in ganz Europa.

Pigmentverkauf

Eine besondere Bedeutung haben Südfrankreich, Norditalien und Zypern. Mancher Pigmentname wie Terra di Siena, cyprisch grüne Erde, Umbra oder französischer Ocker kündet von seiner ursprünglichen Herkunft. Heute werden Pigmente ähnlichen Farbtons auch so bezeichnet, selbst wenn sie eine völlig andere Entstehungsgeschichte haben und stofflich abweichen können.
Da mir auf der Suche nach natürlichen Farben soviel Freudiges und Geheimnissvolles begegnet ist und bestimmt noch manche Überraschung auf mich wartet, muß ich sicherlich an dieser Seite bald weiterarbeiten.

Unsere Pigmente finden Sie nun in den folgenden Kategorien: